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Die andere Toskana:
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Die andere Toskana

Festliche Bergdörfer:

Lucca verlassend und in Richtung Norden tun sich zwei Strassen auf, die den Fluß Serchio flankierend in die Berge der Toskana führen. In Richtung Nordwesten finden sie die Apuan Alpen, wo man den feinsten Marmor in der Welt gewinnt. Beim Anblick dieser Berge mit dem rohen Marmor, bleibt einem der Blick an schneebedeckten Bergruecken hängen, allerdings irrt man sich gewaltig: Denn es ist feinster Marmor, der den Blick hat erstarren lassen. In Richtung Nordosten befinden sich die Appennine Berge, während Sie dem Tal des Serchio Flusses folgen, wie die endlosen Armeen aus dem Mittelalter schon vor Ihnen getan; hoch auf den Bergen sehen Sie Festungen von vielen mittelalterlichen Doerfern und ihren Festungen.

Beim Durchfahren dieser stillen Strassen im Abseits merken Sie immer mehr, dass diese kleinen Bergdörfer nicht verlassen sind, wie man meinen möchte, sie gedeihen und sind lebendig und gleichzeitig das Zuhause warmer und herzlicher kulinarischer Köstlichkeiten mit rustikalen Traditionen und sind überraschenderweise einladende Enklaven voller Lebendigkeit.

Landwirtschaft in den Bergen ist noch immer sehr funktionstüchtig. In der Küche bedient man sich den lokalen und natürlichen Zutaten, die die Natur bietet. Kastanien und Ferkel, Vollkorn Produkte für Suppen und Porcini Pilze sind ständige Beigaben in der Küche. Viele Haushalte haben Holz (Pizza) Öfen und sie backen wöchentlich ihre Brote darin. Es gibt einzigartige Sorten von Oliven und Trauben die in dieser Berglandschaft wachsen.

Jede Stadt und jedes Dorf und jede Gemeinde hat seine speziellen Festivitäten, die üblicherweise mit Musik und Tanz unter freiem Himmel abgehalten werden, und jeder ist willkommen. Das Feiern ist hier eine Lebensart und überall luken die Einladungen anhand von Postern an jeder Ecke hervor.


Barga und die Garfagnana: Land der Wölfe und der Gesetzesbrecher

n Deutschland sagt man, wenn man einem eine Gegend beschreibt, das einem gottverlassen erscheint: Ach, das liegt ja in der Pampa und deutet mit der Hand in die Ferne. Hier in der Gegend von Lucca sagt man: Ach, das liegt ja in der Garfagnana. In der nordwestlichen Ecke der Toskana liegt die mittelalterliche Stadt Barga auf einer Anhöhe und überschaut das Flusstal des Serchio. Obgleich Barga einst als das Juwel der Garfagnana galt, wollen Sie die „Barghigiani“ auf keinen Fall als „Garfagnini“ bezeichnen!

In den Glanzzeiten von Barga diente es als Festung für Medicis Florenz. Das ist noch immer allgegenwärtig in der Sprache, Kunst und Kultur und in der Architektur. Die Barghigiani sehen sich stest als Teil des oben Erwähnten. Barga ist nichtsdestotrotz in der „Garfagnana“, im „Land der Wölfe und Gesetzesbrecher“, bekannt auch für seine weiten Kastanienbaumwälder, Wildschweine, deliziösen Pecorino Käse und den Porcini Pilzen.

Zu diesem kulturellen Reichtum zollt Barga sein Tribut mit sommerlichen Jazz- und Opernfestivitäten, regelmässigen internationalen zeitgenössischen Kunstausstellungen, Freiluft Märktplätzen und einem Juwel an Theater gegründet im Jahre 1668. Zusätzlich zum schwingvollen Leben einer Stadt mit viel Abwechslung, ist ihr keine Ausrede zu billig als Anlass zum Feiern. Ob Porcini Pilze Zeit oder Kastanien Ernte, es ist immer was los, das einem stets zum Bewusstsein bringt, man befindet sich doch inmitten von „Irgendwo“.

Kerry Bell, Barga, Italy All Rights Reserved International Living Magazine
2003



Die zwei Gesichter von Barga

Schlechte Nachrichten gibt es in bezug auf die Ausschilderung von Barga, wenn sie das mittlere Serchio-Flusstal entlangfahren, übersehen Sie leicht das Wegweisungsschild. Gute Neuigkeiten in dieser Hinsicht, es gibt ein halbes Dutzend Wege, die nach Barga führen. Sie fahren nach Barga hinein, vorbei an baumumsäumten Strassen, die sich an Florenzianischen Villas und rustikalen Bauernhäusern vorbeischlängelt.

Diese zwei Elemente sind der Schlüssel für die reiche Geschicht.

Die Nebeneinanderstellung des vermeinlich abschüssigen Bergdorfes von einst, unter dem Einfluss von Florenz und der gegenwärtigen Stadt Barga, mit den gedeihenden landwirtschaftlichen Berggemeinden, führt zu etwas, was die Barghigiani als Identitätskrise bezeichnen, was im Grunde aber wirklich den Charme ausmacht.

Die Stadt Barga ist die Heimat für eine entwickelte Mischung aus Stadt und Land. Sie ist eine der ersten Städte dieser Gegend gewesen, die ein Internetcafé hatte. Hier eine wunderbare Webseite: www.barganews.com.

Ein weltklasse Jazz-Fest und ein Wettkampf für Komponisten gibt es im Sommer, ferner ein Jazz Club das ganze Jahr hindurch. Das Barrock Theater bietet die ganze Wintersaison hindurch Opern und Schauspiele an, neben den Opernfestspielen im Sommer. Das Herausragendste an diesen Opernfestspielen ist die zeitgleiche Darbietung von Puccinis „Madame Butterfly“ in Mailand und hier auf der Bühne am 17. Februar 1904. Poesie ist hier in den Herzen und Köpfen tief verankert. Der berühmte Poet Giovanni Pascoli, ein enger Freund Puccinis, hatte hier sein Zuhause.

Gleichzeitig reichen die landwirtschaftlichen Wurzeln sehr tief und die einheimischen Feiern für lokale Produkte halten an. Da gibt es eine Reihe von Kastanien Produkten, die Gegenstand von Festen werden, wie beim Lecci Fest kürzlich, wobei eine Art Crepe aus Kastanienmehl über offener Flamme gegart wird, gefüllt mit Ricotta; oder Le Mundine, geröstete Maronen; und Castagnaccio, die Kastaniencreme wie eine Torte. Es gibt auch eine leichte, süsse Maronenpaste was als Zutat oder Gewürz genutzt wird. Kastanienmehl gibt es bereits abgepackt in Supermärkten zu kaufen und wird nicht nur in Lecci und Castagnaccio, wie oben erwähnt, verwendet, sondern auch in Polenta, als Beilage. Selbst in Supermärkten findet man frisches und im Holzofen gebackenes Brot, den vorzüglichen Pecorino Käse und frischen Ricotta, Porcini Pilze und Beeren von naheliegenden Bergen. Geröstete Mahlzeiten werden mit Rosmarin und Salbei gemischt gewürzt. In typischen lokalen wird Wildschweinsauce, Sugo, auf feiner Pappardelle (Nudelsorte) gerade bereit um auf Ihrer Zunge zu schmelzen, serviert.


Barga, wo Frauen Herr über Tankzapfen sind

Barga taucht in der Auflistung für langsamstes Essen der langsamsten Städte auf, gleichzeitig rühmt es sich mit der Tatsache, dass sie zu den 50 schönsten Dörfern von Italien gekührt ist und zusätzlich wurde sie unlängst mit der „Orangenen Flagge“ der Touring Club Italiano ausgezeichnet, als Zeichen für ein hervorragendes Ziel für Touristen. Es gibt diverse andere Dinge, die Barga von anderen mittelalterlichen toskanischen Städtchen unterscheidet.

Eine Sache wird Ihnen an Barga sicherlich auffallen, neben den lieblichen Strassen, die rechts und links von Bäumen bewacht werden, vorbei an florentinischen Villen; Es ist die Tankstelle, die von Frauen geführt wird. In dieser Zeit der Selbstbedienungstankstellen, die immer mehr werden, ist das hier ein vollständiger Service, den zwei freundlich dynamische Schwestern mit einem Lächeln und der steten Bereichtschaft einen kleinen Plausch zu halten, anbieten. Eines Tages greife ich nach der Pumpe für die Autoreifen, als eine der Damen sie mir aus der Hand schnappt und lächelnd fragt: „Oh nein, lassen Sie mich das machen! Sind Sie es gewöhnt es zu selber zu tun?“. „Die Italiener würden das nie selber machen“, lacht sie mich an, während sie Luft in die Reifen pumpt. Eine herzerwärmende Abwechselung von der Normalität.

Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass Sie an einem gewöhnlich und verstaubt aussehenden Eisenwarenladen direkt auf der Hauptstrasse Giovanni Pascoli vorbeiziehen, tuen Sie es nicht, denn in dem Laden Ditta Clerici finden Sie neben den gewöhnlichen Eisenwaren, eine wundervolle Auswahl an Tischgeschirr, Geschenkartikel, Espresso Kannen und Maschinen und eine einmalige Auswahl an verarbeitetem Eisendekor. Ich begehrte ein wunderschön verarbeitetes, eisernes Baumgestell für Magazine über ein Jahr lang, bis es endlich verkauft worden ist. 140,-- Euro erschienen mir viel zu viel dafür, aber ich genoss den Anblick jedes Mal, wenn ich daran vorbei ging. Fuendig wurde ich allerdings in bezug auf einige Miniatur Wandhalterungen mit Ziegenbockkopfmotiven die in meiner Preisliga lagen.

Noch eine einzigartige Gelegenheit sind die Mitternachtssnacks in der „Mitternachts Bäckerei“ die durch die Nacht geöffnet ist, um das Brot für den folgenden Tag zu backen. Das ist besonders im Sommer sehr ansprechend, wenn das Nachtleben und die Festivitäten in Barga bis in die Puppen andauern. Bezeugt wurde uns das durch einen jungen amerikanischen Gast, der nach den Parties in der Stadt, mit seinem Fahrrad im dunkeln die hügelligen 9 km zu unser Haus fuhr und erst gegen 3 Uhr in der Früh zurückkam.

Die oben erwähnten Feste finden in der Piazza Giovanni Pascoli, vor dem Albergo Alpino, ein wundervolles Boutique Hotel, voll mit toskanischen Antiquitäten mit einem wunderschönen Restaurant, und hoch droben in der Altstadt, wo das ganze Jahr durch musikalische events, Kunstausstellungen, lokale Sagra und Freiluft Essensfeste statt. Im übrigen ist Barga ein typisches Bergstädtchen, wo man beim Metzger in der Piazza die besten Würste findet. Auf der anderen Strassenseite beim Alimentari, der Ecksupermarkt, wird Ihnen eine Kostprobe des heimischen Pecorino auf Ihre Anfrage hin angeboten, mit einem Schuss Wein als Beigabe.


Sie nennen es Rum

Es kann jedem passieren. Sie fahren durch Italien, Umbria, sagen wir Orvieto, dichteln über die Schönheit dieses Landes, der Atmosphäre, dem exqusiten Essen und dann – rums – ein Grappa zu viel. Grappa, das entzückende Destillat des Abschaums bei der Weinherstellung, zugegebenermassen ein gewoehnungsbeduerftiger Geschmack enthält im allgemeinen 40 – 42 % Alkohol.

Ich kann mich erinnern, in meinen jungen Jahre im Süden der U.S.A., man sagte, ich sei zu jung, um daran teilzunehmen, Gott sei Dank, weil die Geschichten die man erzählte ... über den Rum 151, er verursacht Kopfdrehen.

Hier im Nordwesten, in der bergigen Ecke der Toskana, ein Gebiet das ab und an als „Garfagnana“ durchgeht, in der Stadt „Fornaci die Barga“ der Schmelzofen von Barga, eine Stadt die einst 3000 Leute in ihrer Gießerei beschäftigte, hat heute seinen markanten Namen „Geburtsort des Euro“. Hier wird das Metall gegossen, aus dem die Euromünzen bestehen. Eine kleine Geschichte um ein deliziöses Destillat das man ganz einfach „Rum“ oder „Leone 70“ wegen seines 70 %igen Alkoholgehaltes nennt. Verdammt nah dran an dem Rum 151, davon hörte ich Leute schon reden. „

Leone 70“ ist ein warmes, süsses Destillat aus Zuckerrüben, „Rum“. Man behaupted, dass er in jedem Küchenschrank seinen Platz hat, er wird grundsätzlich für den „Caffè Corretto“, korrigierter Kaffee, verwendet, und es heizt den „Schmelzofen“ so mancher „Garfagnino“.

Der Hersteller davon ist genau hier in Fornaci di Barga, die Geschichte reicht über 100 Jahre zurück. Ursprünglich reiste man auf den Hinterstrassen von Fornaci nach Modena, man verkaufte nicht nur den Leone 70, sondern eine Auswahl an Destillaten und Schnäpsen mit wild gepflückten Zutaten aus den örtlichen Bergen, mitunter Schwarzbeeren, Blaubeeren, Himbeeren, Kastanien und Walnüssen.

Sie stellen sogar Destillate aus den Porcini Pilzen her. Es gibt 10 verschiedene Grappasorten neben dem traditionellen Grappa. Sie haben einige verschiedene Versionen von Bitterschnäpsen und auf Anis basierende Aperitifs und sind auch bekannt für ihren Mandarinen Schnaps, was sie an kalten Wintertagen warm geniessen.

Zum Glück wird der Leone 70 vernünftigerweise als ein schöne, warme Zutat zum Kaffee hinzugegeben, morgens oder nachmittags, das kann durchaus zum warmen und freundlichen Temperament dieser Gegend gezählt werden.

Eine Auswahl an Nardini Grappas, Schnäpsen und Aperitifs ist in den meisten Supermärkten zu finden. Nardini Enrico s.n.c. Località Loppora Fornaci die Barga
(Lucca). www.nardiniliquori.com

Kerry Bell, Barga, Italy All Rights Reserved International Living Magazine 2003

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